|
04.08.2005 Bei Dysmorphophobie (Body Dysmorphic Disorder) sind
ästhetische Eingriffe nicht angezeigt
Menschen mit Dysmorphophobie sehen ebenso blendend oder durchschnittlich
aus wie andere Menschen. Der Arzt sollte diese Krankheit erkennen
können, denn ästhetische Behandlungen führen bei den Betroffenen
zu keinem dauerhaften Erfolg oder schaden sogar. Die Ursache der
Erkrankung wurzelt unter anderem in der heutigen jugend- und schönheitsbetonten
Kultur.
Die Störung, von der beide Geschlechter gleichermaßen betroffen
sein können, ist häufig: Bei einem Screening in Praxen, die sich
mit Schönheitschirurgie beschäftigen, war die Diagnose bei 10 bis
14 % wahrscheinlich. Unter Patienten, die um eine Botulinumtioxin-Behandlung
nachsuchen, lag dieser Anteil bei 23 %. Das Kennzeichen: Die Betroffenen
befassen sich exzessiv mit ihrem Äußeren, unter dem sie leiden.
Zwanzigjährige sportliche Frauen klagen beispielsweise, sie sähen
alt und feist aus. Bei der Erkrankung kommen überzufällig häufig
zusätzliche Probleme dazu. 67 % haben Selbstmordgedanken, und 21
% setzen sie sogar in einem Selbstmordversuch um. 60 % leiden an
einer Depression, 38 % an einer sozialen Phobie, 20 % an Vermeidungsverhalten,
das bei Jüngeren beispielsweise zum Schulabbruch führen kann. Das
Durchschnittalter liegt bei 34 Jahren.
Bei Dysmorphophobie ist ein ästhetisch-korrigierender Eingriff
nicht angezeigt. 2/3 solcher Patienten geben hinterher an, der Eingriff
habe nichts geändert oder die Situation sogar verschlechtert. Die
Behandlung besteht in einer kognitiven Verhaltenstherapie und, falls
nicht ausreichend, können verschiedene Medikamente eingesetzt werden.
Ganz wichtig ist für die behandelnden Ärzte unerschütterlich „nein“
zu korrigierenden ästhetischen Eingriffen zu sagen. Denn ein Charakteristikum
der Störung besteht darin, dass die Patienten ihre Mitmenschen vehement
dazu drängen, ihnen die vermeintliche Verunstaltung zu bestätigen.
Der Arzt sollte erklären, dass der eingriff nicht helfen wird. Angesichts
der hohen Vergütungen für äthetische Operationen finden sich leider
immer wieder Ärzte die dem wirtschaftlichen Druck nachgeben und
trotzdem operieren. Sie handeln sich dadurch viele Probleme ein,
vom unzufriedenen Patienten trotz medizinisch gelungener Operation
bis zu Klagen wegen behandlungsfehlern
|